Hochsensibel, und jetzt?

Story: 07:00 Uhr morgens, an einem Werktag. Meine Vorgesetzte wird es den Kollegen sagen müssen, wenn ich heute nicht zur Arbeit erscheine. Nach unserem Gespräch gestern Abend zusammen mit der Abteilungsleiterin sagten sie mir, ich solle alles tun, was mir die Ärzte raten. ‚Eine Depression ist wie ein gebrochenes Bein‘, sagte die Abteilungsleiterin, ‚das braucht eben seine Zeit‘.

Das war vor 3 Jahren. Ich war 27 Jahre alt und nach meinem Studium erst 3 Jahre im Job. Diagnose Erschöpfungsdepression, oder auch neumodisch „Burn Out“. Mit großer ärztlicher Hilfe war leider nicht zu rechnen. Zu meinem großen Glück habe ich mich seit jeher für psychologische Zusammenhänge interessiert. Ich wollte nicht untätig zu Hause herumsitzen und mich in Selbstmitleid suhlen, ich wollte heraus finden, was mit mir los war. Warum ich in diesem Job, für den ich so hart gearbeitet hatte, so schnell an meine Grenzen gekommen war.

Ich werde nie vergessen, wie ich online den Test zum Thema „Bin ich hochsensibel?“ gemacht habe und anschließend mit eindeutigem Ergebnis die erste Beschreibung zum Phänomen Hochsensibilität las. Tränen liefen mir über das Gesicht. Aber dies waren andere Tränen, als ich sie kannte. Dies waren Tränen der Erleichterung, ja sogar der Erleuchtung. Endlich machte mein Dasein wieder etwas mehr Sinn. Endlich konnte ich erkennen, dass ich nicht einfach nur anders war als viele anderen, sondern dass mein Anderssein eine Berechtigung und eine Bedeutung hatte.

Heute, nach dem Wechsel in eine andere Firma, nach tiefer Auseinandersetzung mit meinen inneren Grenzen und auf der Suche nach meiner wahren Berufung, habe ich den Entschluss getroffen, eine Ausbildung zum ‚Psychologischen Berater‘ bei der ALH zu absolvieren. Ich möchte anderen Hochsensiblen helfen mit den Möglichkeiten und Herausforderungen, die diese Veranlagung bietet, umzugehen, um ihr Leben positiv zu gestalten und ihre Potentiale voll entfalten zu können.

Das Leben ist zu schön, um es nicht zu leben.

 
Autor: Daniela Wiegand